Our remedies oft in ourselves do lie.
(All’s well that ends well, I, 1.)
Dieses Zitat finde ich interessant, weil ich mich in letzter Zeit öfter gefragt habe, ob und in welchem Maße wir allein für uns selbst sorgen können und müssen. Ich meine damit nicht das Sorgen um die eigene Existenz und das körperliche Wohlergehen, sondern das Sorgen und Kümmern um unser seelisches Wohlergehen. Liegt es ganz an uns, dass es uns gut geht? Oder dürfen wir unser Wohlergehen in die Hände anderer geben, uns von anderen abhängig machen? Müssen wir uns selbst genug sein?
Wenn man allein ist, also außerhalb einer Partnerschaft, und besonders wenn man gerade eine Trennung hinter sich hat, hört man doch von Freunden den gutgemeinten Rat, jetzt erstmal mit uns allein glücklich werden zu müssen, unser Leben allein zu führen und ganz einfach mit uns allein zufrieden zu sein. Das ist ganz schön schwer, wenn man lange gewohnt war, alles zu teilen: die Sorgen, den Kummer, die Arbeit und vor allem die schönen Momente. Auf einmal soll es schön sein, für sich allein etwas zu kochen, allein den Abend zu verbringen und eben einfach mit sich selbst allein zu sein. Das alles sei wichtig, so die klugen Ratgeber, um wieder Platz in einer neuen Beziehung finden zu können. Ist das wirklich so? Muss man erst allen glücklich sein, um es zu zweit zu werden?
Natürlich sollte man sich erstmal selbst finden. Zu wissen, wer man ist, ist wichtig, um in einer Partnerschaft aktiv zu handeln und zu leben. Es ist gut möglich, dass Zeit nötig ist, um allein herauszufinden, was man wirklich mag, und wer man wirklich ist. Aber ich denke, dass wir Menschen uns ohne andere gar nicht definieren können. Meiner Meinung nach gibt es nicht das ICH und die anderen sondern nur das ICH mit den anderen. In diesen vermeintlichen Selbstfindungsprozessen von Neu-Singles geht es doch nicht darum, sich zurückzuziehen und zu sehen, wer man selbst ist. Nein, man geht raus, knüpft neue Kontakte, durch die mitunter neue Seiten der Persönlichkeit entdeckt werden können. Ich denke also, dass man sich selbst nie genug sein kann, da man immer andere braucht, die einen inspirieren, neu erfinden, halten, stützen und so weiter.
Der Grund, warum Neu-Singles das Alleinsein so schwer fällt, ist natürlich die geistige und seelische Abhängigkeit, in die man sich in einer Beziehung, absichtlich oder auch nicht, begibt. Oft wird diese Abhängigkeit als negativ bewertet. Teils wegen der Gefahr der Selbstaufgabe, die mitunter auch zum Scheitern einer Beziehung führen kann, da so die Partner aufhören gleichberechtigt zu sein, teils wegen der Gefahr des Fallens, wenn die Beziehung zerbricht. Darf man sich deswegen nicht von anderen abhängig machen? Müssen wir deswegen in einer Beziehung und auch in einer Freundschaft stets darauf achten, selbstständig zu bleiben, nichts aus der Hand zu geben?
Ich bin geneigt „Nein“ zu antworten. Die Probleme einer, vor allem zu starken einseitigen, Abhängigkeit sind mir bewusst. Ich sehe jedoch gegenseitige Abhängigkeitsverhältnisse unter Freunden und in Beziehung als etwas natürlich Menschliches und auch als durchaus positiv. Dass Freunde und der Freund für einen da sind, einem bei Problemen helfen und einem das Leben erleichtern, spricht doch dafür, sich ein Stück weit abhängig zu machen, und sein Glück in ihre Hände zu legen. Außerdem gibt es doch kaum einen größeren Vertrauensbeweis, als zu sagen: „Ich weiß du lässt mich nicht fallen, darum bin ich bereit, mich ein Stück von dir abhängig zumachen“, ist das nicht eigentlich sogar das Kernstück zwischenmenschlicher Beziehungen?
Es kann sein, dass ich das gerade auch alles so sehe, weil es einfacher ist, die Hilfe und das Dasein von Leuten anzunehmen, als allein zu kämpfen, aber selbst dann, hat das doch auch etwas Positives, oder?
Montag, 19. Oktober 2009
Montag, 28. September 2009
Did my heart love till now?
Did my heart love till now? Forswear it, sight!
For I ne’er saw true beauty till this night. (Romeo and Juliet, I. 5.)
Diese Worte spricht der liebestolle Romeo beim ersten Anblick seiner Julia. Bevor er Julia sah, war er unsterblich in das Mädchen Rosalind verliebt, der Anblick Julias lässt ihn Rosalind sowie seine Liebe zu ihr einfach vergessen, ja sogar leugnen, da sein Herz erst jetzt zu lieben beginnt.
Was diese Geschichte über die Vergänglichkeit und die Aufrichtigkeit von Liebensschwüren aussagt, soll jetzt nicht besprochen werden. Stattdessen möchte ich den hoffnungsvollen Aspekt dieser Geschichte fokussieren: Wenn wir verliebt sind, mitunter unglücklich, glauben wir, dass es auf der ganzen weiten Welt niemanden geben kann, der uns so viel bedeuten wird wie diese Person. Dieser Jemand scheint der einzige zu sein, der uns wirklich zum Lachen und zum Weinen bringt, der uns niemals langweilen wird, mit dem wir immer glücklich sein werden und der all unsere Bedürfnisse erfüllt. Und gerade wenn dieser Jemand uns verschmäht, glauben wir, nie wieder so richtig glücklich werden zu können, weil wie nie wieder jemanden so lieben werden. Der Gedanke, dass jeder andere nur 2. Wahl wäre, drängt sich auf. Das dachte Romeo im Bezug auf Rosalind ja auch.
Doch dann, vielleicht ganz plötzlich und unerwartet, oder allmählich und zögernd, tritt ein anderer Mensch in unser Leben, der diese ganzen Gefühle auch auslöst, und gefühlt noch viel stärker. In dem Moment scheint es so, als hätten wir vorher nie geliebt. Als wären nur diese Gefühle jetzt die wirklich wahre Liebe. Und das kann doch allen unglücklich Verliebten Hoffnung sein. (Auch wenn es die Dauerhaftigkeit von Liebesgefühlen auch in Frage stellen kann) Es treten Menschen in unser Leben, die uns andere vergessen lassen, die noch viel toller und perfekter für uns scheinen, die nicht unsere 2. wahl sind, weil wir den anderen nicht haben können. Das finde ich irgendwie sher beruhigend. Es wäre nur gut, wenn einer dieser neuen Menschen diese Gefühle erwiderte und damit auch nicht allzu lange wartete ;).
For I ne’er saw true beauty till this night. (Romeo and Juliet, I. 5.)
Diese Worte spricht der liebestolle Romeo beim ersten Anblick seiner Julia. Bevor er Julia sah, war er unsterblich in das Mädchen Rosalind verliebt, der Anblick Julias lässt ihn Rosalind sowie seine Liebe zu ihr einfach vergessen, ja sogar leugnen, da sein Herz erst jetzt zu lieben beginnt.
Was diese Geschichte über die Vergänglichkeit und die Aufrichtigkeit von Liebensschwüren aussagt, soll jetzt nicht besprochen werden. Stattdessen möchte ich den hoffnungsvollen Aspekt dieser Geschichte fokussieren: Wenn wir verliebt sind, mitunter unglücklich, glauben wir, dass es auf der ganzen weiten Welt niemanden geben kann, der uns so viel bedeuten wird wie diese Person. Dieser Jemand scheint der einzige zu sein, der uns wirklich zum Lachen und zum Weinen bringt, der uns niemals langweilen wird, mit dem wir immer glücklich sein werden und der all unsere Bedürfnisse erfüllt. Und gerade wenn dieser Jemand uns verschmäht, glauben wir, nie wieder so richtig glücklich werden zu können, weil wie nie wieder jemanden so lieben werden. Der Gedanke, dass jeder andere nur 2. Wahl wäre, drängt sich auf. Das dachte Romeo im Bezug auf Rosalind ja auch.
Doch dann, vielleicht ganz plötzlich und unerwartet, oder allmählich und zögernd, tritt ein anderer Mensch in unser Leben, der diese ganzen Gefühle auch auslöst, und gefühlt noch viel stärker. In dem Moment scheint es so, als hätten wir vorher nie geliebt. Als wären nur diese Gefühle jetzt die wirklich wahre Liebe. Und das kann doch allen unglücklich Verliebten Hoffnung sein. (Auch wenn es die Dauerhaftigkeit von Liebesgefühlen auch in Frage stellen kann) Es treten Menschen in unser Leben, die uns andere vergessen lassen, die noch viel toller und perfekter für uns scheinen, die nicht unsere 2. wahl sind, weil wir den anderen nicht haben können. Das finde ich irgendwie sher beruhigend. Es wäre nur gut, wenn einer dieser neuen Menschen diese Gefühle erwiderte und damit auch nicht allzu lange wartete ;).
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Montag, 14. September 2009
There is nothing either good or bad
There is nothing either good or bad, but thinking makes it so. (Hamlet, II, 2)
Dieser Ausspruch aus Hamlet, ein Stück, das ich aufgrund seiner ellenlangen mitleiderregenden Monologe nicht sehr mag kann philosophisch betrachtet werden: Gibt es gut und böse, oder legen wir Dingen nur diese Wertungen bei? Ich will diesen Satz jedoch nicht philosophisch auseinander nehmen und analysieren, das ist mit zu anstrengend ;). Es gibt jedoch Denker, die sagen, dass nichts von Natur aus irgendwie gut oder böse ist, sondern alles relativ ist und seine zwei Seiten der Medaille hat. Dialektik ist hier das Stichwort.
Den Ausspruch kann man auch auf einer viel alltäglicheren und weniger abstrakten Ebene anwenden. Und zwar, wenn man, wie ich es jetzt tue, „thinking“ ganz weit fasst und es mit fühlen und empfinden gleichsetzt. Die ein und dieselbe Sache erscheint uns an manchen Tagen als mittlere Katastrophe, während sie an einem anderen Tag nur ein müdes Lächeln erzeugt. Mir geht das oft so mit Unterrichtsvorbereitungen: Manchmal fällt mir zu einigen Themengebieten gar nichts ein und ich denke dann, dass ich diese Thematik nie anständig unterrichten werde, und ich sowieso gar nicht so ein guter Lehrer bin, wie ich und andere immer denken. Dann will ich mir ’nen Kaffee machen, muss eine neue Tüte aufmachen, wobei ich immer, ja immer, das Kaffeepulver kreisförmig um die Dose verstreue. Schon fluchend stoße ich mich dann an der offen gelassenen Ofentür, wobei ich Idealfall noch ein Wasserglas umwerfe. Ja, dann ist die ganze Welt schlecht, meine Zukunft grau, allein bleibe ich eh’ mein Leben lang und ich bekomme nur 'ne Stelle irgendwo in einem Kaff neben Haßloch (ja, das gibt`s wirklich, da ist ein Vergnügungspark, immerhin) im Süden.
Ja, solche Tage gibt’s, an dem mein Denken alles negativ bewertet. Die Vögel nerven, die strahlende Sonne verhöhnt mich und auf der Straße werde ich ständig angerempelt und böse angeguckt. Aber glücklicherweise ist ja nicht jeder Tag so. An anderen Tagen wacht man auf, ist fit, freut sich über Sonne und Vögel, es gelingt alles und nette Leute kommen spontan zum Kaffee trinken vorbei und füllen den Kaffee ohne zu krümeln in die Dose. Ja, heute ist so ein Tag, wie schön.
Was haben diese Widrigkeiten des Alltags nun mit den großen und ganzen, dem Streben nach Glück zu tun? Glück ist etwas Momentanes und Unbeständiges, das man einfach mal so fühlen und erleben muss. Und an Tagen wie heute, ist die Wahrscheinlichkeit, einfach mal glücklich zu sein doch recht hoch. An Tagen wie oben beschrieben, wenn unser Denken alles schlecht macht, hat man wohl kaum eine Chance. Aber man kann sich vornehmen, und ich tue das, sich nicht von den Mini-unglücken an Scheißtagen ärgern zu lassen. Manchmal ist es eben so, und man will nicht aggressiv oder verbittert werden und irgendwann Jugendliche, die auf dem Bürgersteig fahren schimpfend vom Rad holen. Stoische Gemütsruhe ist hier das Stichwort und man weiß ja, dass das alles am nächsten Tag schon wieder ganz anderes von uns bewertet wird. Es liegt an einem selbst glücklich zu sein und wenn man sich über jede Kleinigkeit ärgert (Beachte es heißt sich (selsbt) ärgern) und/oder aufregt gibt man keinem Tag die Möglichkeit ein guter zu werden. Ich hoffe, ich denke an meinem nächsten schlechten Tag an meine Worte.
Dieser Ausspruch aus Hamlet, ein Stück, das ich aufgrund seiner ellenlangen mitleiderregenden Monologe nicht sehr mag kann philosophisch betrachtet werden: Gibt es gut und böse, oder legen wir Dingen nur diese Wertungen bei? Ich will diesen Satz jedoch nicht philosophisch auseinander nehmen und analysieren, das ist mit zu anstrengend ;). Es gibt jedoch Denker, die sagen, dass nichts von Natur aus irgendwie gut oder böse ist, sondern alles relativ ist und seine zwei Seiten der Medaille hat. Dialektik ist hier das Stichwort.
Den Ausspruch kann man auch auf einer viel alltäglicheren und weniger abstrakten Ebene anwenden. Und zwar, wenn man, wie ich es jetzt tue, „thinking“ ganz weit fasst und es mit fühlen und empfinden gleichsetzt. Die ein und dieselbe Sache erscheint uns an manchen Tagen als mittlere Katastrophe, während sie an einem anderen Tag nur ein müdes Lächeln erzeugt. Mir geht das oft so mit Unterrichtsvorbereitungen: Manchmal fällt mir zu einigen Themengebieten gar nichts ein und ich denke dann, dass ich diese Thematik nie anständig unterrichten werde, und ich sowieso gar nicht so ein guter Lehrer bin, wie ich und andere immer denken. Dann will ich mir ’nen Kaffee machen, muss eine neue Tüte aufmachen, wobei ich immer, ja immer, das Kaffeepulver kreisförmig um die Dose verstreue. Schon fluchend stoße ich mich dann an der offen gelassenen Ofentür, wobei ich Idealfall noch ein Wasserglas umwerfe. Ja, dann ist die ganze Welt schlecht, meine Zukunft grau, allein bleibe ich eh’ mein Leben lang und ich bekomme nur 'ne Stelle irgendwo in einem Kaff neben Haßloch (ja, das gibt`s wirklich, da ist ein Vergnügungspark, immerhin) im Süden.
Ja, solche Tage gibt’s, an dem mein Denken alles negativ bewertet. Die Vögel nerven, die strahlende Sonne verhöhnt mich und auf der Straße werde ich ständig angerempelt und böse angeguckt. Aber glücklicherweise ist ja nicht jeder Tag so. An anderen Tagen wacht man auf, ist fit, freut sich über Sonne und Vögel, es gelingt alles und nette Leute kommen spontan zum Kaffee trinken vorbei und füllen den Kaffee ohne zu krümeln in die Dose. Ja, heute ist so ein Tag, wie schön.
Was haben diese Widrigkeiten des Alltags nun mit den großen und ganzen, dem Streben nach Glück zu tun? Glück ist etwas Momentanes und Unbeständiges, das man einfach mal so fühlen und erleben muss. Und an Tagen wie heute, ist die Wahrscheinlichkeit, einfach mal glücklich zu sein doch recht hoch. An Tagen wie oben beschrieben, wenn unser Denken alles schlecht macht, hat man wohl kaum eine Chance. Aber man kann sich vornehmen, und ich tue das, sich nicht von den Mini-unglücken an Scheißtagen ärgern zu lassen. Manchmal ist es eben so, und man will nicht aggressiv oder verbittert werden und irgendwann Jugendliche, die auf dem Bürgersteig fahren schimpfend vom Rad holen. Stoische Gemütsruhe ist hier das Stichwort und man weiß ja, dass das alles am nächsten Tag schon wieder ganz anderes von uns bewertet wird. Es liegt an einem selbst glücklich zu sein und wenn man sich über jede Kleinigkeit ärgert (Beachte es heißt sich (selsbt) ärgern) und/oder aufregt gibt man keinem Tag die Möglichkeit ein guter zu werden. Ich hoffe, ich denke an meinem nächsten schlechten Tag an meine Worte.
Dienstag, 25. August 2009
All's well that ends well (?)
“Ende gut, alles gut” – Das ist die sprichwörtliche Übersetzung von Shakespeares Stück “All’s well that ends well”. Die Bedeutung des deutschen Sprichwortes entspricht hierbei jedoch nicht ganz der des Englischen. Während das deutsche „Ende gut, alles gut“ doch eher die Erleichterung ausdrückt, dass Dinge sich doch noch zum Guten gewendet haben, hat das englische „All’s well that ends well“ eine etwas andere Gewichtung. Es wird natürlich auch ausgedrückt, dass man über ein glückliches Ende froh ist; es steckt jedoch auch die Idee dahinter, dass eben alles gut ist, was gut endet. Das „der Zweck heiligt die Mittel“-Prinzip ist also präsent.
Das Stück wurde als Komödie veröffentlicht, doch einige Kritiker sehen es auch als Tragödie. Wie schon zuvor erwähnt haben Shakespeares Komödien immer nur ein scheinbares „Happy End“. Hier ist dieses „Happy End“ ganz offensichtlich kein glückliches Ende. Die Geschichte ist schnell erzählt: Helena, eine bürgerliche, ist schon seit Längerem in Bertram verliebt, ein Adliger. Dieser liebt sie natürlich nicht; das ginge ja auch wegen der Ständeverhältnisse schon mal schlecht. Helenas Vater war ein berühmter Arzt, ist aber schon tot. Der König von Frankreich ist schwerkrank und Helena bringt diesem die heilende Medizin ihres Vaters. Als Gegenleistung wurde vereinbart, dass sich Helena einen Mann aussuchen darf, mit dem der König sie dann vermählt. Natürlich erwählt sie Bertram. Der will nicht, er schimpft, und heult und fleht und alles ist total erniedrigend für die arme Helena, so dass sie selbst auch keine Lust mehr hat. Der König besteht aber darauf und vermählt die beiden. Bertram findet, dass so fürchterlich, dass er vor dem Vollzug der Ehe, der Hochzeitsnacht, in den Krieg flieht, um lieber auf dem Schlachtfeld zu sterben, als Helena zu ehelichen. Diese gibt nun wiederum nicht auf, und folgt ihm. Sie will ihn nun um jeden Preis ins Bett kriegen, um die Ehe zu besiegeln. Dazu denkt sie sich einen perfiden Plan aus: Eine Freundin von ihr, die Diana, auf die der Bertram schon relativ scharf ist, hilft und umwirbt Bertram. Sie lockt ihn in ihr Schlafgemach und sagt, dass sie ihn dort mit einem Tuch verhüllt erwarten wird. Natürlich ist Helena unter dem Tuch und zack, hat Bertram mit seiner Frau geschlafen. Am Ende kommt alles raus, und da Bertram ein Mann von Ehre ist und zu seinen Worten und auch Taten steht, bleibt ihm nichts anders übrig, als nun Helena als seine Frau zu ehren und zu „love her dearly, ever, ever dearly". (V.iii.354).
Tja, wahrscheinlich ist es wirklich eher eine Tragödie, die die Zwänge der Zeit damals beklagt. Herrscher beschließen Ehen, Ehre steht vor persönlichem Glück, Bertram ist unglücklich und auch Helena kann ja nicht wirklich zufrieden sein. Ich muss sagen, dass mir das Stück nicht so gefallen hat, auch beim Lesen nicht. Die Handlungen der Charaktere sind schlecht nachvollziehbar, die Nebenfiguren haben nicht so viel Charme wie in anderen Komödien und es werden auch wenig andere Aspekte angesprochen und beleuchtet. Außer der Aussage, dass ein gutes Ende, nicht wirklich alles andere gut macht und eben oft nicht das ist, was es vorgibt zu sein, hat mir das Stück nicht sehr viel mitgegeben. Ich habe es gelesen, da ich es nächsten Freitag als Stück sehen werde. Da bin ich sehr gespannt drauf. Vielleicht eröffnet mir die Bühnenperformance Sichtweisen, die mir beim reinen Lesen verborgen blieben und ich bin natürlich gespannt, wie das Stück umgesetzt wird.
Das Stück wurde als Komödie veröffentlicht, doch einige Kritiker sehen es auch als Tragödie. Wie schon zuvor erwähnt haben Shakespeares Komödien immer nur ein scheinbares „Happy End“. Hier ist dieses „Happy End“ ganz offensichtlich kein glückliches Ende. Die Geschichte ist schnell erzählt: Helena, eine bürgerliche, ist schon seit Längerem in Bertram verliebt, ein Adliger. Dieser liebt sie natürlich nicht; das ginge ja auch wegen der Ständeverhältnisse schon mal schlecht. Helenas Vater war ein berühmter Arzt, ist aber schon tot. Der König von Frankreich ist schwerkrank und Helena bringt diesem die heilende Medizin ihres Vaters. Als Gegenleistung wurde vereinbart, dass sich Helena einen Mann aussuchen darf, mit dem der König sie dann vermählt. Natürlich erwählt sie Bertram. Der will nicht, er schimpft, und heult und fleht und alles ist total erniedrigend für die arme Helena, so dass sie selbst auch keine Lust mehr hat. Der König besteht aber darauf und vermählt die beiden. Bertram findet, dass so fürchterlich, dass er vor dem Vollzug der Ehe, der Hochzeitsnacht, in den Krieg flieht, um lieber auf dem Schlachtfeld zu sterben, als Helena zu ehelichen. Diese gibt nun wiederum nicht auf, und folgt ihm. Sie will ihn nun um jeden Preis ins Bett kriegen, um die Ehe zu besiegeln. Dazu denkt sie sich einen perfiden Plan aus: Eine Freundin von ihr, die Diana, auf die der Bertram schon relativ scharf ist, hilft und umwirbt Bertram. Sie lockt ihn in ihr Schlafgemach und sagt, dass sie ihn dort mit einem Tuch verhüllt erwarten wird. Natürlich ist Helena unter dem Tuch und zack, hat Bertram mit seiner Frau geschlafen. Am Ende kommt alles raus, und da Bertram ein Mann von Ehre ist und zu seinen Worten und auch Taten steht, bleibt ihm nichts anders übrig, als nun Helena als seine Frau zu ehren und zu „love her dearly, ever, ever dearly". (V.iii.354).
Tja, wahrscheinlich ist es wirklich eher eine Tragödie, die die Zwänge der Zeit damals beklagt. Herrscher beschließen Ehen, Ehre steht vor persönlichem Glück, Bertram ist unglücklich und auch Helena kann ja nicht wirklich zufrieden sein. Ich muss sagen, dass mir das Stück nicht so gefallen hat, auch beim Lesen nicht. Die Handlungen der Charaktere sind schlecht nachvollziehbar, die Nebenfiguren haben nicht so viel Charme wie in anderen Komödien und es werden auch wenig andere Aspekte angesprochen und beleuchtet. Außer der Aussage, dass ein gutes Ende, nicht wirklich alles andere gut macht und eben oft nicht das ist, was es vorgibt zu sein, hat mir das Stück nicht sehr viel mitgegeben. Ich habe es gelesen, da ich es nächsten Freitag als Stück sehen werde. Da bin ich sehr gespannt drauf. Vielleicht eröffnet mir die Bühnenperformance Sichtweisen, die mir beim reinen Lesen verborgen blieben und ich bin natürlich gespannt, wie das Stück umgesetzt wird.
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Happy End
Montag, 17. August 2009
If music be the foof of love, play on
If music be the food of love, play on,
Give me excess of it; that surfeiting,
The appetite may sicken, and so die. (Twelfth Night I,1)
Wenn Musik das Futter der Liebe ist, spielt weiter, gebt mir ein Übermaß von ihr, so dass der Appetit gesättigt schwächer wird und so stirbt. Der Hunger nach Liebe scheint so unersättlich wie die ständige Lust, der ständige Hunger nach Musik. Kann es so viel Liebe und Musik geben, dass man irgendwann genug davon haben kann und der Appetit versiegt? Bei Musik kann ich wohl mit ziemlicher Sicherheit „Nein“ sagen. Musik ist so toll und eine tolle Erfindung.
Musik gehört zu den Dingen, die wohl einfach immer in meinem Leben sein werden. Was wären wir ohne Musik. Ja, das klingt abgedroschen und jeder hat das wohl schon mal festgestellt, aber man muss ja auch positive und bekannte Dinge immer mal wieder erwähnen, damit man sie nicht vergisst. Und es gibt immer wieder Momente, in denen die Wichtigkeit und Großartigkeit von Musik richtig deutlich wird.
Letzten Freitag habe ich bei einer alten Schulfreundin übernachtet (also alt im Sinne von „Ich kenne sie schon ewig", seit der Grundschule nämlich). Wir haben erst gegrillt, dann einen sehr guten Film gesehen (und Hot Fuzz, in dem auch ein Schwan eine tragende Rolle spielt), um am Ende in den bequemsten Balkonstühlen der Welt, eingehüllt in Decken in den Sternenhimmel zu starren und zu quatschen. Dabei lief Musik, nicht großartig ausgewählt, sondern zufällig von einer voll-gepackten MP3-Sammlung abgespielt. Besonders waren natürlich die Lieder (Ich habe mit Absicht Lieder geschrieben, weil es so heißt, aber es niemand mehr sagt, weil es irgendwie uncool und nach Kinderlied klingt, aber „Song“ oder „Track“ werde ich hier definitiv nicht schreiben), also besonders waren die Lieder, die uns an unsere damalige Zeit als pubertierende 14-Jährige erinnerten. Und damit haben wir schon mal eine hervorragende Eigenschaft von Musik. Es gibt Lieder, die uns für immer an einen Ort, in einer bestimmte Zeit versetzen werden. Sie ist ein akustisches Tagebuch.
Dann gibt es aber auch einfach Lieder, die zu jeder Zeit toll sind, weil sie es einfach sind. Ich will jetzt hier gar keine Auswahl der besten Lieder, die es gibt, treffen, sondern einfach mal feststellen, wie toll es ist, dass es Melodien für die Ewigkeit gibt, Tonfolgen, die unsterblich sind, immer gut und nie out. Mir fällt jetzt gerad irgendwie die Melodie von „Das Boot“ ein. 10 Töne, die einfach unsterblich sind und jeder kennt - schön.
Musik ist aber nicht nur ein akustisches Tagebuch, sondern auch Lebenshilfe. Das weiß auch jeder. Dank des technologischen Fortschrittes und des Grenzenlosigkeit des Internets kann man jederzeit überall den passenden Soundtrack (ups, jetzt doch englisch) für seine Stimmung oder Lebenslange finden. Oder man hört ein Lied und denkt „bäm – das passt ja gerad wie Arsch auf Auge“ und schon ist die Gefühlslage verstärkt oder man fühlt sich verstanden und weniger allein.
Also, Musik ist toll und eigentlich viel zu toll, um sie nur so nebenbei zu hören, aber selbst dazu ist sie toll. Aber einen Wunsch habe ich ja noch: Wann ist es endlich soweit, dass ich meine Musik immer mit habe und jederzeit mithilfe meiner Gedanken abspielen kann? Also, ich will zum Beispiel einen schönen Sonnuntergang angucken und dann an passender Stelle ein Streichquartett hören, oder ich will mich mit jemandem streiten und meine Worte mit der passenden Musik untermalen. Ja, das wäre doch toll. Aber das ist wohl nur Zukunftsmusik, hahahaha.
Höre übrigens gerad eines meiner Lieblingsalben „Ray of Light“, die CD springt leider schon an manchen Stellen.
Give me excess of it; that surfeiting,
The appetite may sicken, and so die. (Twelfth Night I,1)
Wenn Musik das Futter der Liebe ist, spielt weiter, gebt mir ein Übermaß von ihr, so dass der Appetit gesättigt schwächer wird und so stirbt. Der Hunger nach Liebe scheint so unersättlich wie die ständige Lust, der ständige Hunger nach Musik. Kann es so viel Liebe und Musik geben, dass man irgendwann genug davon haben kann und der Appetit versiegt? Bei Musik kann ich wohl mit ziemlicher Sicherheit „Nein“ sagen. Musik ist so toll und eine tolle Erfindung.
Musik gehört zu den Dingen, die wohl einfach immer in meinem Leben sein werden. Was wären wir ohne Musik. Ja, das klingt abgedroschen und jeder hat das wohl schon mal festgestellt, aber man muss ja auch positive und bekannte Dinge immer mal wieder erwähnen, damit man sie nicht vergisst. Und es gibt immer wieder Momente, in denen die Wichtigkeit und Großartigkeit von Musik richtig deutlich wird.
Letzten Freitag habe ich bei einer alten Schulfreundin übernachtet (also alt im Sinne von „Ich kenne sie schon ewig", seit der Grundschule nämlich). Wir haben erst gegrillt, dann einen sehr guten Film gesehen (und Hot Fuzz, in dem auch ein Schwan eine tragende Rolle spielt), um am Ende in den bequemsten Balkonstühlen der Welt, eingehüllt in Decken in den Sternenhimmel zu starren und zu quatschen. Dabei lief Musik, nicht großartig ausgewählt, sondern zufällig von einer voll-gepackten MP3-Sammlung abgespielt. Besonders waren natürlich die Lieder (Ich habe mit Absicht Lieder geschrieben, weil es so heißt, aber es niemand mehr sagt, weil es irgendwie uncool und nach Kinderlied klingt, aber „Song“ oder „Track“ werde ich hier definitiv nicht schreiben), also besonders waren die Lieder, die uns an unsere damalige Zeit als pubertierende 14-Jährige erinnerten. Und damit haben wir schon mal eine hervorragende Eigenschaft von Musik. Es gibt Lieder, die uns für immer an einen Ort, in einer bestimmte Zeit versetzen werden. Sie ist ein akustisches Tagebuch.
Dann gibt es aber auch einfach Lieder, die zu jeder Zeit toll sind, weil sie es einfach sind. Ich will jetzt hier gar keine Auswahl der besten Lieder, die es gibt, treffen, sondern einfach mal feststellen, wie toll es ist, dass es Melodien für die Ewigkeit gibt, Tonfolgen, die unsterblich sind, immer gut und nie out. Mir fällt jetzt gerad irgendwie die Melodie von „Das Boot“ ein. 10 Töne, die einfach unsterblich sind und jeder kennt - schön.
Musik ist aber nicht nur ein akustisches Tagebuch, sondern auch Lebenshilfe. Das weiß auch jeder. Dank des technologischen Fortschrittes und des Grenzenlosigkeit des Internets kann man jederzeit überall den passenden Soundtrack (ups, jetzt doch englisch) für seine Stimmung oder Lebenslange finden. Oder man hört ein Lied und denkt „bäm – das passt ja gerad wie Arsch auf Auge“ und schon ist die Gefühlslage verstärkt oder man fühlt sich verstanden und weniger allein.
Also, Musik ist toll und eigentlich viel zu toll, um sie nur so nebenbei zu hören, aber selbst dazu ist sie toll. Aber einen Wunsch habe ich ja noch: Wann ist es endlich soweit, dass ich meine Musik immer mit habe und jederzeit mithilfe meiner Gedanken abspielen kann? Also, ich will zum Beispiel einen schönen Sonnuntergang angucken und dann an passender Stelle ein Streichquartett hören, oder ich will mich mit jemandem streiten und meine Worte mit der passenden Musik untermalen. Ja, das wäre doch toll. Aber das ist wohl nur Zukunftsmusik, hahahaha.
Höre übrigens gerad eines meiner Lieblingsalben „Ray of Light“, die CD springt leider schon an manchen Stellen.
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Twelfth Night
Dienstag, 11. August 2009
Your nose says, no, you are not; for it stands too right.
Your nose says, no, you are not; for it stands too right. (Love’s Labour’s Lost, V,2)
Dies antwortet der Edelmann Boyet dem Gelehrten Sir Nathaniel, der im Rahmen einer Festivität in die Rolle von Alexander der Große schlüpft, um die Adeligen zu unterhalten. Die Clowns und die lächerlich dargestellten Gelehrten im Stück „Verlorene Liebesmüh’“ mimen zur Erheiterung der Adeligen Helden der Antike wie Herkules, Alexander der Große und Hektor nach. Die Adeligen mokieren sich über die Schauspieler, da ihre Kostüme, ihre Art zu reden oder ihr Aussehen unecht und unauthentisch sind – ein Meisterstück der Selbstironie von Shakespeare.
Es liegt in der Natur des Theaters, dass die Illusionen, die es erzeugen will, nicht vollkommen real und wirklich wirken können und dies ja auch nicht sollen. Dinge wie Stürme, große Schlachten und auch Szenenwechsel können eben nur angedeutet werden. Und natürlich wusste auch Shakespeare, dass Schlachtszenen mit Blut, wie in den Historien-Dramen oder Unwetter wie in „The Tempest“ nur vereinfacht dargestellt werden können. Auch war klar, dass gerade die weiblichen Rollen nicht wirklich echt wirken konnten, da sie ja damals von jungen Männern übernommen wurden. Umso witziger ist es, dass Shakespeare diesen Umstand durch das so genannte „Stück im Stück“ auf der Bühne thematisiert. Die Adeligen machen sich darüber lustig, wie stümperhaft, die Kostümierung der antiken Helden ausfällt, dabei sind sie selbst nur Schauspieler in eventuell schlecht gemachten Kostümen. Bei diesem Stück kommt noch der Umstand dazu, dass die Adeligen Herren sich auch verkleiden, um die Damen zu verwirren, und dieses sicherlich auch nicht besser machen als die bürgerlichem Schauspieler.
„Love’s Labour’s Lost“ ist nur eines von Shakespeares Stücken, in dem diese Selbstironie vollzogen wird. Auch in „ A Midsummer Night’s Dream“ macht sich Shakespeare über die begrenzten Möglichkeiten des Theaters lustig. Auch hier führen Vertreter des gemeinen Volkes für den Adel ein Stück auf, über welches sich die Blaublütigen nur lächerlich machen. Hier wird die schlechte Kostümierung noch deutlicher thematisiert als in „Love’s Labour’s Lost“. So gibt es Zitate wie: „That I, one Stout by name present a wall“ oder „This latern does the horned moon present“ (A Midummer Night’s Dream, V, 1). Die Verkleidungen sind so schlecht, dass sie kommentiert werden müssen. Ich habe das Stück leider noch nicht gesehen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Stück im Stück der komödiantische Höhepunkt ist und auch zu Shakespeares Zeiten für sehr viel Spaß im Theater sorgte. Dazu kommt die Meta-ebene, auf die das Publikum gehoben wird, da es ja auch nur ein Stück sieht mit Schauspielern in Kostümen. Ich mag diese Selbstironie und auch die dramatische Raffinesse dieser Stücke im Stück schon sehr.
Selbstironie ist sowieso gut. Man kann soviel schlecht oder verkehrt machen; wenn man es mit einem Funken Selbstironie tut, ist immer alles nur halb so schlimm. Ich liebe Filme und Musiker, die selbstironisch sind, wie beispielsweise „Kill Bill“ oder „Die Ärzte“. Aber ich glaube, es gibt wirklich viele Menschen, die Ironie und auch gerade Selbstironie von anderen nicht verstehen, weil sie es selbst auch gar nicht sind. Selbstironisch kann man nur sein, wenn man seine eigenen Schwächen kennt, weil man sich über diese ja lustig macht, also braucht man zur Selbstironie die Fähigkeit zur Selbstkritik und auch zur Ehrlichkeit. Menschen, die schwer ihre Schwächen erkennen und auch zugeben, sind auch wenig selbstironisch und meiner Meinung nach weniger sympathisch und humorvoll. Da ich der Nabel der Welt bin, habe ich auch das Recht diesbezüglich über andere zu urteilen.
Dies antwortet der Edelmann Boyet dem Gelehrten Sir Nathaniel, der im Rahmen einer Festivität in die Rolle von Alexander der Große schlüpft, um die Adeligen zu unterhalten. Die Clowns und die lächerlich dargestellten Gelehrten im Stück „Verlorene Liebesmüh’“ mimen zur Erheiterung der Adeligen Helden der Antike wie Herkules, Alexander der Große und Hektor nach. Die Adeligen mokieren sich über die Schauspieler, da ihre Kostüme, ihre Art zu reden oder ihr Aussehen unecht und unauthentisch sind – ein Meisterstück der Selbstironie von Shakespeare.
Es liegt in der Natur des Theaters, dass die Illusionen, die es erzeugen will, nicht vollkommen real und wirklich wirken können und dies ja auch nicht sollen. Dinge wie Stürme, große Schlachten und auch Szenenwechsel können eben nur angedeutet werden. Und natürlich wusste auch Shakespeare, dass Schlachtszenen mit Blut, wie in den Historien-Dramen oder Unwetter wie in „The Tempest“ nur vereinfacht dargestellt werden können. Auch war klar, dass gerade die weiblichen Rollen nicht wirklich echt wirken konnten, da sie ja damals von jungen Männern übernommen wurden. Umso witziger ist es, dass Shakespeare diesen Umstand durch das so genannte „Stück im Stück“ auf der Bühne thematisiert. Die Adeligen machen sich darüber lustig, wie stümperhaft, die Kostümierung der antiken Helden ausfällt, dabei sind sie selbst nur Schauspieler in eventuell schlecht gemachten Kostümen. Bei diesem Stück kommt noch der Umstand dazu, dass die Adeligen Herren sich auch verkleiden, um die Damen zu verwirren, und dieses sicherlich auch nicht besser machen als die bürgerlichem Schauspieler.
„Love’s Labour’s Lost“ ist nur eines von Shakespeares Stücken, in dem diese Selbstironie vollzogen wird. Auch in „ A Midsummer Night’s Dream“ macht sich Shakespeare über die begrenzten Möglichkeiten des Theaters lustig. Auch hier führen Vertreter des gemeinen Volkes für den Adel ein Stück auf, über welches sich die Blaublütigen nur lächerlich machen. Hier wird die schlechte Kostümierung noch deutlicher thematisiert als in „Love’s Labour’s Lost“. So gibt es Zitate wie: „That I, one Stout by name present a wall“ oder „This latern does the horned moon present“ (A Midummer Night’s Dream, V, 1). Die Verkleidungen sind so schlecht, dass sie kommentiert werden müssen. Ich habe das Stück leider noch nicht gesehen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Stück im Stück der komödiantische Höhepunkt ist und auch zu Shakespeares Zeiten für sehr viel Spaß im Theater sorgte. Dazu kommt die Meta-ebene, auf die das Publikum gehoben wird, da es ja auch nur ein Stück sieht mit Schauspielern in Kostümen. Ich mag diese Selbstironie und auch die dramatische Raffinesse dieser Stücke im Stück schon sehr.
Selbstironie ist sowieso gut. Man kann soviel schlecht oder verkehrt machen; wenn man es mit einem Funken Selbstironie tut, ist immer alles nur halb so schlimm. Ich liebe Filme und Musiker, die selbstironisch sind, wie beispielsweise „Kill Bill“ oder „Die Ärzte“. Aber ich glaube, es gibt wirklich viele Menschen, die Ironie und auch gerade Selbstironie von anderen nicht verstehen, weil sie es selbst auch gar nicht sind. Selbstironisch kann man nur sein, wenn man seine eigenen Schwächen kennt, weil man sich über diese ja lustig macht, also braucht man zur Selbstironie die Fähigkeit zur Selbstkritik und auch zur Ehrlichkeit. Menschen, die schwer ihre Schwächen erkennen und auch zugeben, sind auch wenig selbstironisch und meiner Meinung nach weniger sympathisch und humorvoll. Da ich der Nabel der Welt bin, habe ich auch das Recht diesbezüglich über andere zu urteilen.
Montag, 3. August 2009
Love' Labour's Lost (Teil A Das Stück)
The mind shall banquet, though the body pine:
Fat paunches have lean pates, and dainty bits
Make rich the ribs, but bankrupt quite the wits. (I. 1. 27-29)
Da ich glücklicher Mensch Sommerferien habe und mir für diese vorgenommen hatte, ganz viel zu lesen, konnte ich heute ein Ich-habe-das-Stück-gelesen-Häkchen neben das Stück "Love’s Labour’s Lost" – "Verlorene Liebesmüh’" machen. Shakespeare schrieb das Stück vermutlich 1594, womit es zu seinen frühen Komödien gehört. Das Hauptthema ist die Liebe. König Ferdinand von Navarra, eine spanische Kolonie, und seine drei Gefährten nehmen sich vor, drei Jahre lang keine Frau zu sehen, um sich der Bildung und den Büchern vollkommen hingeben zu können. So lautet das oben genannte Zitat übersetzt:
Der Geist soll ein Bankett sein, während der Körper sich verzerrt
Fette Bäuche haben verkümmerte Köpfe, und Leckerbissen
Machen die Rippen reich, aber ruinieren den Verstand.
Dieser verwegene Plan scheitert kläglich, als die französische Prinzessin zwecks diplomatischer Verhandlung mit ihrem Gefolge zu Besuch kommt. Natürlich verlieben sich die Männer in die Frauen. Sie schreiben heimlich Liebesbriefe, aber können ihre Liebe nicht verbergen. Sie werben um die Frauen, erst verkleidet als Russen (fand ich irgendwie lustig und ich habe noch nicht herausgefunden, warum es ausgerechnet Russen sein mussten) und später als sie selbst. Die Frauen wussten natürlich schon vorher von diesem ausgeklügelten Plan und schlugen zurück, indem sie Rollen tauschen. Das machten sie ziemlich gut, weil die Männer tatsächlich nicht merkten, dass sie jeweils die falsche Frau umwarben. Was dies über die Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit ihrer Liebe aussagt liegt auf der Hand.
"Love’s Labour’s Lost" enthält also mit dem Thema der Liebe, den witzigen und geistreichen Nebenfiguren, auf die ich hier nicht weiter eingehen will, und dem Verkleiden, für Shakespeares Komödien typische Elemente. Das Ende ist für Komödien jedoch sehr untypisch. Es handelt sich nämlich nicht wirklich um ein Happy End, was in den meisten Komödien, wenn auch nur augenscheinlich, immer vorhanden ist. Die Frauen vertrösten die Männer auf ein Jahr. Wenn ihre Liebt über ein Jahr andauert, dürfen sie sich gern noch mal melden, und dann sieht man mal weiter. Die aufgebrachte Liebesmüh der Männer – das Verkleiden, das Schreiben von seitenlangen Liebessonetten – bleibt vergebens. Das liegt vor allem daran, dass die Männer ihre Liebesbekundungen so unauthentisch und übertrieben vollziehen und ehrliche Aufrichtigkeit missen lassen. So sagt die französische Prinzessin: “and therefore met your loves/ In their own fashion, like a merriment. (V 2. 793-794) – “Daher entgegneten wir eurer Liebe auf ihre eigene Art und Weise, wie eine Belustigung“.
Da Shakespeare ja nicht irgendein Schnulzen-Dichter war, wirft dieses Stück neben der kritischen Frage nach der Natur der wahren Liebe noch andere Fragen auf. Ein anderes Thema ist Bildung. Eine Frage ist, ob man in körperlicher Askese leben muss, um wirklichen Zugang zu geistigen Inhalten zu bekommen. Am Anfang sind der König und sein Gefolge der Überzeugung. Es ist relativ witzig, wie sie versuchen, nachdem rausgekommen ist, dass sie nun doch alle verliebt sind, ihre Liebe recht zu fertigen: „For when would you, my lord, or you, or you/ Have found the ground of study’s excellence/ Without the beauty of a woman’s face“ (IV. 3). Außerdem werden zwei Gelehrte karikiert, die ständig versuchen auf Latein kluge Sachen zu sagen und antike Helden zu zitieren. Diesen Aspekt habe ich nicht weiter analysiert, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich Shakespeare auf diese Weise etwas über das weltfremde Gelehrtsein-Tun lustig macht. Auch die großen Helden der Antike werden nicht wirklich ernst genommen.
Shakespeare macht sich außerdem über die spanische Armada lustig, die von eine kleineren englischen Flotte geschlagen wurde, indem die Nebenfigur Armado, ein spanischer Edelmann nicht in der Lage ist, ein einfaches Mädchen aus dem Volke für sich zu gewinnen. Aber dies nur nebenbei. Denn dieser Blog soll ja nicht nur Shakespeares Werk beschreiben, sondern auch zeigen, welche Bedeutung sein Werk für mich und die Welt heute hat.
Fat paunches have lean pates, and dainty bits
Make rich the ribs, but bankrupt quite the wits. (I. 1. 27-29)
Da ich glücklicher Mensch Sommerferien habe und mir für diese vorgenommen hatte, ganz viel zu lesen, konnte ich heute ein Ich-habe-das-Stück-gelesen-Häkchen neben das Stück "Love’s Labour’s Lost" – "Verlorene Liebesmüh’" machen. Shakespeare schrieb das Stück vermutlich 1594, womit es zu seinen frühen Komödien gehört. Das Hauptthema ist die Liebe. König Ferdinand von Navarra, eine spanische Kolonie, und seine drei Gefährten nehmen sich vor, drei Jahre lang keine Frau zu sehen, um sich der Bildung und den Büchern vollkommen hingeben zu können. So lautet das oben genannte Zitat übersetzt:
Der Geist soll ein Bankett sein, während der Körper sich verzerrt
Fette Bäuche haben verkümmerte Köpfe, und Leckerbissen
Machen die Rippen reich, aber ruinieren den Verstand.
Dieser verwegene Plan scheitert kläglich, als die französische Prinzessin zwecks diplomatischer Verhandlung mit ihrem Gefolge zu Besuch kommt. Natürlich verlieben sich die Männer in die Frauen. Sie schreiben heimlich Liebesbriefe, aber können ihre Liebe nicht verbergen. Sie werben um die Frauen, erst verkleidet als Russen (fand ich irgendwie lustig und ich habe noch nicht herausgefunden, warum es ausgerechnet Russen sein mussten) und später als sie selbst. Die Frauen wussten natürlich schon vorher von diesem ausgeklügelten Plan und schlugen zurück, indem sie Rollen tauschen. Das machten sie ziemlich gut, weil die Männer tatsächlich nicht merkten, dass sie jeweils die falsche Frau umwarben. Was dies über die Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit ihrer Liebe aussagt liegt auf der Hand.
"Love’s Labour’s Lost" enthält also mit dem Thema der Liebe, den witzigen und geistreichen Nebenfiguren, auf die ich hier nicht weiter eingehen will, und dem Verkleiden, für Shakespeares Komödien typische Elemente. Das Ende ist für Komödien jedoch sehr untypisch. Es handelt sich nämlich nicht wirklich um ein Happy End, was in den meisten Komödien, wenn auch nur augenscheinlich, immer vorhanden ist. Die Frauen vertrösten die Männer auf ein Jahr. Wenn ihre Liebt über ein Jahr andauert, dürfen sie sich gern noch mal melden, und dann sieht man mal weiter. Die aufgebrachte Liebesmüh der Männer – das Verkleiden, das Schreiben von seitenlangen Liebessonetten – bleibt vergebens. Das liegt vor allem daran, dass die Männer ihre Liebesbekundungen so unauthentisch und übertrieben vollziehen und ehrliche Aufrichtigkeit missen lassen. So sagt die französische Prinzessin: “and therefore met your loves/ In their own fashion, like a merriment. (V 2. 793-794) – “Daher entgegneten wir eurer Liebe auf ihre eigene Art und Weise, wie eine Belustigung“.
Da Shakespeare ja nicht irgendein Schnulzen-Dichter war, wirft dieses Stück neben der kritischen Frage nach der Natur der wahren Liebe noch andere Fragen auf. Ein anderes Thema ist Bildung. Eine Frage ist, ob man in körperlicher Askese leben muss, um wirklichen Zugang zu geistigen Inhalten zu bekommen. Am Anfang sind der König und sein Gefolge der Überzeugung. Es ist relativ witzig, wie sie versuchen, nachdem rausgekommen ist, dass sie nun doch alle verliebt sind, ihre Liebe recht zu fertigen: „For when would you, my lord, or you, or you/ Have found the ground of study’s excellence/ Without the beauty of a woman’s face“ (IV. 3). Außerdem werden zwei Gelehrte karikiert, die ständig versuchen auf Latein kluge Sachen zu sagen und antike Helden zu zitieren. Diesen Aspekt habe ich nicht weiter analysiert, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich Shakespeare auf diese Weise etwas über das weltfremde Gelehrtsein-Tun lustig macht. Auch die großen Helden der Antike werden nicht wirklich ernst genommen.
Shakespeare macht sich außerdem über die spanische Armada lustig, die von eine kleineren englischen Flotte geschlagen wurde, indem die Nebenfigur Armado, ein spanischer Edelmann nicht in der Lage ist, ein einfaches Mädchen aus dem Volke für sich zu gewinnen. Aber dies nur nebenbei. Denn dieser Blog soll ja nicht nur Shakespeares Werk beschreiben, sondern auch zeigen, welche Bedeutung sein Werk für mich und die Welt heute hat.
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