Time is like a fashionable host,
That slightly shakes his parting guest by the hand,
And with his arms outstretched, as he would fly,
Grasps in the comer: the welcome ever smiles,
And farewell goes out sighing.
Troilus and Cressida, act 3, sc. 3, l. 165-9
Dieses Zitat stammt aus einem eher weniger bekannten Stück, das ich in Cardiff auf der Bühne sehen durfte. Es geht um Liebe und Krieg, mit antiken Motiven. Mit diesen Worten wird Achilles daran erinnert, dass die Zeit seine großen Taten verblassen lassen wird.
Die Zeit (im englischen übrigens männlich, wie interessant) wird hier als Gastgeber personifiziert, der die Hand von sich verabschiedenden Gästen nur leicht schüttelt und mit ausgestreckten Armen viel lieber Neuankömmlinge begrüßt. Das Willkommen ist immer schön, während der Abschied immer mit einem Seufzer vollzogen wird. Es geht also darum, dass wir uns im Laufe der Zeit immer schweren Herzens von Menschen verabschieden werden müssen.
In der letzten Woche war ich auf meiner ersten Klassenfahrt mit einer ganz hervorragenden 9. Klasse. Die Schüler haben ganz viel selbst organisiert, ihre Freiheiten nicht maßlos ausgenutzt und waren zuverlässig. Ich denke, dass war die beste 1. Klassenfahrt als Lehrerin, die ich hätte haben können. Was mich jedoch am meisten beeindruckt hat, war das Verhältnis der Schüler untereinander. Es herrschte ein ganz starker Zusammenhalt. Alle waren für einander da und alle waren stolz, Teil dieses Ganzen zu sein.
Es gab am letzten Abend beispielsweise eine 2-stündige Abschlussdisko. Es wurde verschiedene Musik gespielt, die jedoch immer nur einen Teil der Schülerschaft, die sehr heterogen ist, ansprach. Trotzdem tanzten die so genannten Tyffis zu Rammstein und die selbsternannten Metaller zu Beyonce. Es war so schön anzusehen. ALLE haben getanzt, und wer sich setzen wollte, wurde sogleich wieder auf die Tanzfläche gezogen. Unglaublich, wie 23 Schüler 2 Stunden lang total gute Stimmung verbreiteten, und das ohne eine Schluck Alkohol. Da können sich einige Partygänger unseres Alters aber einiges abschneiden.
Aber nun zurück zum Zitat. Ein Mädchen aus dieser Klasse schafft es leider nicht in die 10. und muss nun auf eine andere Schule. Sie ist sehr beliebt und als der DJ als Rausschmeißer irgendein ganz schnulziges Abschiedslied spielte, fingen alle kollektiv an zu weinen. Es war herzzerreißend. Besonders ein Mädchen war sehr betroffen und kaum zu beruhigen, was auch daran lag, dass sie sich in letzter Zeit noch von 2 anderen ihrer Freunde verabschieden musste. Ihr wurde der oben beschriebene Umstand, dass unser Leben von Abschieden geprägt ist, so richtig bewusst. Sie weinte darüber, dass alle irgendwann gehen müssen und alle Freunde nach der Schulzeit weg sein werden.
Aus meinem Pool von Lebenserfahrung ;) schöpfend, versuchte ich sie mit der Aussicht auf die vielen tollen Menschen, die sie noch kennen lernen wird, aufzubauen. Und irgendwer sagte mal, dass man nie über vergangene schöne Momente traurig sein soll, sondern sich lieber freuen soll, sie erlebt haben zu dürfen. Aber das half ihr in dem Moment nicht viel. Die Zeit, unser Leben, zwingt uns immer wieder dazu, uns von lieben Menschen, die ein wichtiger Teil von uns und unserem Leben geworden sind, zu verabschieden. Erst lässt sie zu, dass wir uns begrüßen und kennen lernen, um uns dann wieder voneinander zu trennen.
Sicher wird das Mädchen noch viele tolle Leute treffen und kennen lernen dürfen, aber mit jedem abgeschlossenen Lebensabschnitt gehen Menschen. Natürlich nehmen sich dann immer alle vor, sich nicht zu verlieren, aber das klappt nicht immer. Die Zeit und Lebensumstände trennen Menschen voneinander, nicht nur räumlich. Aber so traurig das auch klingt, ist es doch etwas Positives. Abschied tut weh und kann Freundschaften entzweien, die einem immer fehlen werden. Aber es gibt so viele tolle Menschen, Ideen und Ansichten zu entdecken, die uns ohne den Abschied von Altem vielleicht verborgen blieben. Trotzdem gibt es in meinem Leben Menschen, von denen ich mich nie verabschieden möchte. Menschen, die immer da sein sollen. Die Zeit wird zeigen oder auch entscheiden, ob das möglich sein wird und ob diese Menschen auch in ferner Zukunft zu den Konstanten in meinem Leben gehören, die ich nie missen will. Es ist schon ein merkwürdiger Gedanke, dass mir in einigen Jahren Menschen, die mir jetzt ganz wichtig sind, es möglicherweise nicht mehr sind.
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Montag, 13. Juli 2009
Donnerstag, 25. Juni 2009
The friends thou hast, and their adoption tried
...Grapple them to thy soul with hoops of steel;" (Polonius, Hamlet I, 3.)
Freundschaft ist ein wichtiges Thema für Shakespeare, vor allem die Freundschaft zwischen zwei Männern, aber auch Frauen. Die Freundschaft zwischen Mann und Frau spielt meines Wissens kaum eine Rolle, da es zwischen ihnen nur Liebe gibt. Die gleichgeschlechtliche Freundschaft hat bei Shakespeare einen sehr hohen Stellenwert und steht meist im Kontrast zur Liebe. Oft müssen sich die Figuren zwischen Freundschaft und Liebe entscheiden, wobei Freundschaft als das Beständigere dargestellt wird.
Ein Beispiel dafür ist in „The two Gentleman of Verona“ zu finden. Valentino und Proteus sind die besten Freunde. Doch Proteus Freundschaft ist nicht so ehrlich wie die Valentinos. So stellt er seine große Liebe Julia über die Freundschaft mit Valentino: „I leave myself, my friends, and all, for love. Thou, Julia, thou hast metamorphosed me” (I.1). Dass sich Shakespeare hier wiederholt über die “wahre” Liebe mokiert wird dadurch deutlich, dass sich besagter Proteus ruckzuck in eine andere, Sylvia, verliebt, die wiederum in Valentino verliebt ist, was auf Gegenseitigkeit beruht. Proteus hintergeht seinen guten Freund erfolglos und verliebt sich am Ende, wer hätte es für möglich gehalten, wieder in Julia, als klar wird, dass Valentino Sylvia bekommt. Am Ende gibt es eine Doppelhochzeit, da Valentino, ein echter Freund seiend, Proteus vergibt. Dass dies nur ein scheinbares Happy End sein kann, sollte klar geworden sein. Es gibt weder die echte Liebe zwischen Julia und Proteus, weder die beidseitige echte Freundschaft zwischen Valentino und Proteus. Trotzdem kann festgehalten werden, dass Freundschaft gegenüber Liebe aufgrund ihrer Beständigkeit einen höheren Stellenwert hat.
Darauf läuft auch das Zitat aus Hamlet hinaus. Es ist von einem Vater an seiner verliebten Sohn gerichtet und besagt, dass Freundschaften, die man hat, mit aller Macht erhalten werden sollten, da sie sehr viel wert sind. Als ich gestern mit guten Freunden am Hafen saß, ein Bierchen trank und handgemachter Gitarrenmusik lauschen konnte, habe ich auch über die Rolle von Freunden in meinem Leben nachgedacht.
Freunde sind in meinem Leben sehr wichtig und meine wichtigsten Bezugspersonen. Und es gibt auch Freunde in meinem Leben, die irgendwie schon immer da waren, aber auch Menschen, die ich erst später kennen lernen durfte. Als ich gestern am Hafen saß dachte, ich darüber nach, was wäre wenn es einfach so weiter ginge, wie es jetzt ist. Eingebettet in einen Freundeskreis, der so viele meiner Wünsche für das Leben befriedigt, wie Spaß, tolle Gespräche, Hilfe in Notsituationen, Rat und Tat usw. usw., kann ich mir schon vorstellen, auf längere Zeit so ein glückliches Leben zu führen. Aber kann es so weitergehen? Sind die Freunde wirklich immer da? Oder müssen sie wie bei Shakespeare sich irgendwann zwischen Freundschaft und Liebe entscheiden?
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Freundschaften, also selbstgewählte soziale Kontakte, enge Familienbeziehungen immer mehr auflösen werden. Ein Gedanke, der mich gleichermaßen beängstigt wie fasziniert. Geht das? Können Freunde unsere neue Familie sein? Wollen wir das? Oder bringen sie doch nicht die Beständigkeit in unser Leben, die wir brauchen? Brauchen wir überhaupt Beständigkeit? Manchmal kann ich mir schon vorstellen, in einer Gemeinschaft von lieben, selbstgewählten Menschen alt und glücklich zu werden. Aber die Angst, dann irgendwann doch allein zu sein, ist so gegeben. Vielleicht muss unter diesen Freunden einfach ein Partner sein, mit dem man, in der Hoffnung auf beständiges Glück, eine eigene selbstgewählte Familie gründet. Ich hoffe jedoch, dass ich mich dabei nicht zwischen Freundschaft und Liebe entscheiden muss, sondern meinen Freunden, die ich habe, treu bleiben kann.
Freundschaft ist ein wichtiges Thema für Shakespeare, vor allem die Freundschaft zwischen zwei Männern, aber auch Frauen. Die Freundschaft zwischen Mann und Frau spielt meines Wissens kaum eine Rolle, da es zwischen ihnen nur Liebe gibt. Die gleichgeschlechtliche Freundschaft hat bei Shakespeare einen sehr hohen Stellenwert und steht meist im Kontrast zur Liebe. Oft müssen sich die Figuren zwischen Freundschaft und Liebe entscheiden, wobei Freundschaft als das Beständigere dargestellt wird.
Ein Beispiel dafür ist in „The two Gentleman of Verona“ zu finden. Valentino und Proteus sind die besten Freunde. Doch Proteus Freundschaft ist nicht so ehrlich wie die Valentinos. So stellt er seine große Liebe Julia über die Freundschaft mit Valentino: „I leave myself, my friends, and all, for love. Thou, Julia, thou hast metamorphosed me” (I.1). Dass sich Shakespeare hier wiederholt über die “wahre” Liebe mokiert wird dadurch deutlich, dass sich besagter Proteus ruckzuck in eine andere, Sylvia, verliebt, die wiederum in Valentino verliebt ist, was auf Gegenseitigkeit beruht. Proteus hintergeht seinen guten Freund erfolglos und verliebt sich am Ende, wer hätte es für möglich gehalten, wieder in Julia, als klar wird, dass Valentino Sylvia bekommt. Am Ende gibt es eine Doppelhochzeit, da Valentino, ein echter Freund seiend, Proteus vergibt. Dass dies nur ein scheinbares Happy End sein kann, sollte klar geworden sein. Es gibt weder die echte Liebe zwischen Julia und Proteus, weder die beidseitige echte Freundschaft zwischen Valentino und Proteus. Trotzdem kann festgehalten werden, dass Freundschaft gegenüber Liebe aufgrund ihrer Beständigkeit einen höheren Stellenwert hat.
Darauf läuft auch das Zitat aus Hamlet hinaus. Es ist von einem Vater an seiner verliebten Sohn gerichtet und besagt, dass Freundschaften, die man hat, mit aller Macht erhalten werden sollten, da sie sehr viel wert sind. Als ich gestern mit guten Freunden am Hafen saß, ein Bierchen trank und handgemachter Gitarrenmusik lauschen konnte, habe ich auch über die Rolle von Freunden in meinem Leben nachgedacht.
Freunde sind in meinem Leben sehr wichtig und meine wichtigsten Bezugspersonen. Und es gibt auch Freunde in meinem Leben, die irgendwie schon immer da waren, aber auch Menschen, die ich erst später kennen lernen durfte. Als ich gestern am Hafen saß dachte, ich darüber nach, was wäre wenn es einfach so weiter ginge, wie es jetzt ist. Eingebettet in einen Freundeskreis, der so viele meiner Wünsche für das Leben befriedigt, wie Spaß, tolle Gespräche, Hilfe in Notsituationen, Rat und Tat usw. usw., kann ich mir schon vorstellen, auf längere Zeit so ein glückliches Leben zu führen. Aber kann es so weitergehen? Sind die Freunde wirklich immer da? Oder müssen sie wie bei Shakespeare sich irgendwann zwischen Freundschaft und Liebe entscheiden?
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Freundschaften, also selbstgewählte soziale Kontakte, enge Familienbeziehungen immer mehr auflösen werden. Ein Gedanke, der mich gleichermaßen beängstigt wie fasziniert. Geht das? Können Freunde unsere neue Familie sein? Wollen wir das? Oder bringen sie doch nicht die Beständigkeit in unser Leben, die wir brauchen? Brauchen wir überhaupt Beständigkeit? Manchmal kann ich mir schon vorstellen, in einer Gemeinschaft von lieben, selbstgewählten Menschen alt und glücklich zu werden. Aber die Angst, dann irgendwann doch allein zu sein, ist so gegeben. Vielleicht muss unter diesen Freunden einfach ein Partner sein, mit dem man, in der Hoffnung auf beständiges Glück, eine eigene selbstgewählte Familie gründet. Ich hoffe jedoch, dass ich mich dabei nicht zwischen Freundschaft und Liebe entscheiden muss, sondern meinen Freunden, die ich habe, treu bleiben kann.
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